Vom ersten Gespräch bis zum Abschluss
Was erwartet mich eigentlich, wenn ich ein Coaching beginne?
Diese Frage höre ich oft. Manche befürchten, einfach nur über ihre Probleme reden zu müssen. Andere haben Sorge, gar nicht zu wissen, was sie eigentlich wollen. Beides ist völlig in Ordnung, denn genau das kann Teil des Coachings sein.
Im Beitrag über Nina, die neue Kita-Leitung, habe ich eine einzelne Sitzung beschrieben. Hier zeige ich den Rahmen dahinter: wie ein ganzer Prozess und wie eine einzelne Sitzung aufgebaut sein können.
Ein Coachingprozess braucht Zeit
Coaching ist kein einmaliges Gespräch, sondern ein Prozess. Bei Nina haben wir zehn Sitzungen à 90 Minuten im Abstand von zwei Wochen vereinbart. So bleibt zwischen den Terminen Zeit, Neues im Alltag auszuprobieren.
In der ersten Sitzung sammeln wir Informationen, zum Beispiel mit einer Mindmap, und klären gemeinsam, woran gearbeitet werden soll. Bei Nina sah der Prozess so aus:
- Analysieren (Sitzung 1): Das Anliegen vertiefen und den Prozess gemeinsam strukturieren.
- Selbstvertrauen finden (Sitzungen 2 bis 4): Schwerpunkt Selbstführung, zum Beispiel mit Werte- und Biografiearbeit, dem Lebensrad und der Frage, wie sie sich selbst als Führungskraft sieht.
- Selbstorganisation einüben (Sitzung 5): Prioritäten setzen, feste Kernarbeitszeiten benennen und sich für Erreichtes belohnen.
- Das Team führen (Sitzungen 6 bis 9): Kommunikation, Transparenz, Wertschätzung, Teamsitzungen, Mitarbeitergespräche, Abgrenzung und der Umgang mit Kritik.
- Abschluss (Sitzung 10): Rückblick auf die gemeinsame Arbeit.
Diese Reihenfolge hat einen Grund: Wer sich selbst nicht sicher führt, dem fällt es schwer, andere zu führen. Deshalb beginnen wir bei der Person selbst und gehen dann zur Rolle im Team.
Das ist ein Beispiel, kein Schema. Jeder Prozess wird individuell geplant und kann sich im Verlauf verändern.
Wie eine einzelne Sitzung aufgebaut sein kann
Nicht jede Sitzung läuft gleich, aber es gibt einen roten Faden, der Orientierung gibt. Ein Gespräch kann diese Bausteine haben:
1. Ankommen. Wie geht es Ihnen gerade? Wer aus dem Alltag kommt, ist oft noch nicht im Gespräch angekommen. Ein Tee, ein ruhiger Moment oder ein kurzer Austausch helfen, Sicherheit und Ruhe zu schaffen.
2. Das Anliegen klären. Worum geht es wirklich? Oft zeigt sich, dass hinter dem genannten Problem ein anderes liegt. In Ninas Fall war es hinter drei scheinbar getrennten Konflikten die Frage der eigenen Grenzen.
3. Ein Ziel vereinbaren. Was soll sich verändern, und woran merke ich, dass ich vorankomme? Ein Ziel gibt dem Gespräch Richtung. Manchmal ist es nur ein Etappenziel für die heutige Sitzung, etwa: "Ich möchte verstehen, warum mich diese Situation so trifft."
4. Neue Sichtweisen entwickeln. Hier liegt der Kern der Arbeit. Mit Fragen und Methoden wie Wertearbeit, Skalierungen oder Perspektivwechseln erkennen Sie Muster und Zusammenhänge, die im Alltag oft untergehen.
5. Den Transfer in den Alltag planen. Was mache ich konkret anders? Was probiere ich bis zum nächsten Mal aus? Erst dieser Schritt macht aus einer Einsicht eine Veränderung. Für viele Klientinnen und Klienten sind gerade diese praktischen Schritte besonders wichtig, weil sie Sicherheit geben.
6. Zurückblicken. Wie ging es mir mit dem Gespräch? Was war schwierig, was hat mich weitergebracht, was wünsche ich mir für das nächste Mal?
7. Abschließen. Ein wertschätzender Ausklang und die Verabredung für den nächsten Termin.
Was Coaching von Beratung unterscheidet
In der Beratung bekommen Sie eine Empfehlung. Im Coaching entwickeln Sie Ihre eigenen Lösungen. Das ist oft unbequemer, aber nachhaltiger. Ratschläge von außen passen selten genau auf die eigene Situation, eigene Erkenntnisse dagegen bleiben.
Deshalb stelle ich vor allem Fragen und höre genau zu. Bei Führungskräften gebe ich manchmal ergänzend einen konkreten Hinweis, aber die Richtung bestimmen Sie.
Wenn der Plan nicht mehr passt
Auch ein gut vorbereitetes Coaching läuft nicht immer nach Plan. Bei Nina hatte ich eine Übung vorbereitet, und dann stand eine völlig andere Situation im Raum. Ich habe den Ablauf spontan geändert und erst das Akute besprochen. Das war keine schlechte Vorbereitung, sondern genau richtig, denn erst danach konnte sich Nina auf die eigentliche Übung einlassen.
Die Planung gibt einen Rahmen. Wichtig ist, dass ich wahrnehme, was mein Gegenüber gerade braucht.
Coaching ist keine Therapie
Zum professionellen Coaching gehört, die eigenen Grenzen zu kennen. Coaching ist keine Therapie. Nicht alles, was in einem Gespräch auftaucht, gehört ins Coaching. Wenn ein Thema mehr braucht, als Coaching leisten kann, spreche ich das offen an und empfehle passende Unterstützung.
Was Sie mitbringen müssen
Nicht viel. Sie brauchen keine fertig formulierte Fragestellung und müssen nicht wissen, welche Methode zu Ihnen passt. Wichtig ist nur die Bereitschaft, sich auf die eigene Situation einzulassen.
Sie bringen Ihr Thema mit, ich bringe Fragen, Methoden, Struktur und einen Blick von außen mit. Manchmal führt das zu einer konkreten Entscheidung, manchmal zu einer neuen Sichtweise oder zu einer Grenze, die Sie bisher nicht gesetzt haben. Und manchmal besteht der wichtigste Fortschritt zunächst darin zu verstehen: "Was passiert hier eigentlich gerade mit mir?"
Dort kann Coaching beginnen.
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